Mariano 'Mario' Castillo 1954 - 2010

Wien / New York - Als Mario Castillo im Jahr 1989 seinen Barfly's Club im Hinterzimmer eines Hotels in Wien-Mariahilf eröffnete, da wusste kaum noch ein Wiener Gast, was unter einem Manhattan, Mojito oder Negroni zu verstehen ist. Die Kunst des Rührens und Mixens klassischer Cocktails war so gut wie verloren gegangen.
Auch, dass der gebürtige Dominikaner darauf verzichtete, Fassbier oder G'spritzte auszuschenken, galt in der damaligen Lokalszene als unerhört. Dennoch (oder eben deshalb) pilgerte "tout Vienne" in die American Bar, die sich strikt an klassischen Vorbildern orientierte: mit schummriger Beleuchtung, mit Musik von Frank Sinatra und Burt Bacharach und mit einer großen Auswahl an Cocktails, die von kompetenten Barkeepern nach allen Regeln der Kunst zubereitet wurden.
Castillos Konzept klassischer Barkultur wurde oft kopiert und Mitte der 1990er zu einem richtigen Trend. Plötzlich hatte Wien eine Anhäufung qualitativ herausragender Bars vorzuweisen, die man in dieser Konzentration selbst in Metropolen kaum zu finden vermochte: Das "Wiener Barwunder" war geschehen. Seine karibischen Wurzeln wollte Castillo dabei nie verleugnen. Wenn es spät wurde im Barfly's, wechselte die Musik. Dann tanzten die Gäste zu Salsa- und Merengue-Rhythmen. Castillo eröffnete neue Lokale, Restaurants und organisierte Konzerte von Latino-Top-Acts.
Seine Kombination aus klassischer Barkultur und karibischer Lebensfreude hat die Stadt doppelt bereichert. Sie brachte neben Qualität auch Farbe ins Wiener Nachtleben. Am 26.7.2010 verstarb Mario Castillo an den Folgen eines Schlaganfalls während einer Reise in New York. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. (Georg Desrues/DER STANDARD, Printausgabe, 28.7.2010)
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