Mariano 'Mario' Castillo 1954 - 2010

Wien / New York - Als Mario Castillo im Jahr 1989 seinen Barfly's Club im Hinterzimmer eines Hotels in Wien-Mariahilf eröffnete, da wusste kaum noch ein Wiener Gast, was unter einem Manhattan, Mojito oder Negroni zu verstehen ist. Die Kunst des Rührens und Mixens klassischer Cocktails war so gut wie verloren gegangen.
Auch, dass der gebürtige Dominikaner darauf verzichtete, Fassbier oder G'spritzte auszuschenken, galt in der damaligen Lokalszene als unerhört. Dennoch (oder eben deshalb) pilgerte "tout Vienne" in die American Bar, die sich strikt an klassischen Vorbildern orientierte: mit schummriger Beleuchtung, mit Musik von Frank Sinatra und Burt Bacharach und mit einer großen Auswahl an Cocktails, die von kompetenten Barkeepern nach allen Regeln der Kunst zubereitet wurden.
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(Mixology) Nachruf auf Mario Castillo (1954 - 2010)
Mario Castillo, Bartender und Betreiber der Wiener Bar Barflys, ist am 26.7.2010 überraschend in New York verstorben. Die Barszene verliert einen Großen. Nach dem Tod von Peter Stang muß die GSA-Bargemeinde dieses Jahr bereits den zweiten Aderlass verkraften.
Erst kürzlich standen wir noch mit einer Gruppe der besten Bartender aus dem deutschsprachigen Raum anlässlich eines Tanqueray Ten Tables in Wien an Marios Tresen. Es war ein wunderschöner, geselliger Abend unter Bartendern und fast jeder von uns trat hinter die Bar, um sich mit Mario zusammen ablichten zu lassen. Umso schockierender nun die Nachricht von seinem Tode.
Mario Castillo hat wie kein anderer das Bild der Wiener Barszene der letzten 20 Jahre mitgeprägt. Anlässlich der zweiten Ausgabe unseres Magazins im Jahre 2003 befragte ich, damals noch in Wien lebend, Mario zum Thema "Wiener Barszene". Ich zitiere die entsprechende Passage aus Mixology Issue 2/2003:
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(...) Mario Castillo, aus der Dominikanischen Republik stammend, studierte in Paris und London Mathematik, bis er eines Tages erkannte, dass er statt mit fiktiven Zahlen häufiger mit echten Zentilitern Hochprozentigem zu tun hatte. Im Londoner "Mount Royal Hotel" sammelte Castillo erste Erfahrungen, bevor er nach Wien kam, wo er ein halbes Jahr nach Eröffnung in Ellouzis (NewYork NewYork Bar) zu arbeiten begann. Sein karibisches Temperament, das beim Wiener Publikum sehr gut ankam, und sein schnelles Einfühlungsvermögen eröffneten ihm innerhalb kürzester Zeit die Möglichkeit, seine eigene Bar aufzumachen.
Der Zeitungskolumnist und Barliebhaber Angelo Peer brachte ihn mit den neuen Eigentümern des Hotels "Fürst Metternich" in der Esterhazygasse zusammen. Dort, wo man auf den ersten Blick niemals eine Cocktailbar vermuten würde, eröffnete Castillo in einem ehemaligen Offizierscasino nahezu pachtfrei das "Barflys". Die Bar entwickelte sich schnell zum Geheimtipp unter Wiens Film- und Werbeleuten.
Ein kleiner Artikel von Christoph Wagner in der Tageszeitung "Kurier" löste schließlich einen solchen Ansturm aus, dass das Barpersonal am Tag darauf schon um 23 Uhr wegen Überfüllung die Türen schließen musste. Man muss sich dabei vergegenwärtigen, dass man damals kaum Nachrichten aus dem Gastrobereich zu lesen bekam, im Gegensatz zur heutigen Schwemme oft zweifelhafter Ausgehtipps, die jeden Quatsch zu Events hochstilisieren.
Das Barflys war der Durchbruch für das Wiener Barwesen. Endlich gab es in Wien wirkliche Bars abseits von den Klassikern des Typs "Eden", die sich schon lange darauf beschränken, "Flüssigkeiten von Flaschen in Gläser umzufüllen". Soweit ein leicht bissiger Kommentar aus dem "Standard".
(...) In einer gastronomisch so hoch entwickelten Stadt wie Wien dauerte es allerdings nicht lange, bis andere den Erfolg von Castillo und Ellouzi kopieren wollten. So sahen die 90er-Jahre ein wahres Feuerwerk an Bareröffnungen. "Alle sechs Monate", sagt Mario Castillo, wurde eine neue Cocktailschmiede eröffnet. Castillo selber war 1993 und 1994 mit dem "Nightflys" und dem "Castillo" an zwei weiteren Eröffnungen beteiligt. Das Castillo, architektonisch eine viel gepriesene Bar, wurde schnurstracks für kurze Zeit zum Hotspot der Wiener Innenstadt, bis mit der Onyx Bar und dem Planter's Club zwei Barriesen das Zepter übernahmen. (...)"
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Mario Castillo und das Barflys waren bei den Mixology Bar Awards 2009 in den Rubriken "Bar Team des Jahres" und "Bar des Jahres" nominiert. Wir hoffen, dass Castillos Vermächtnis mit dem Barflys, samt seinem großen Humidor und der ausgezeichneten Spirituosenauswahl, noch lange erhalten bleibt. Ruhe in Frieden Mario, und halte uns bitte einen Platz am großen Tresen frei! Dort wollen wir irgendwann wieder mit Dir anstossen. |
(Floridita) Nachruf auf Mario Castillo (1954 - 2010) Nachruf Mario Castillo - Lehrer der Cocktail-Kunst Pionier der karibischen Cocktaillerie in Wien gestorben
 Wie die österreichische Tageszeitung Der Standard am 28.7.2010 berichtete, ist der gebürtige Dominikaner und erfolgreiche Barbegründer und Animator des Wiener Nachtlebens Mario Castillo am Montag, den 26. Juli in New York an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Floridita – Cuban Dance Bar, Betreiberin der kubanischen Cocktail-Bar Wiens, würdigt die Verdienste von Castillo als Lehrer und großer Meister der Cocktail-Kunst in diesem Land. Seine herausragende Leistung war es, die karibische Cocktailtradition im Rahmen der sogenannten „American Bar“ in diesem Land mit großem Erfolg einzuführen … damit eröffnete er dem österreichischen Publikum einen völlig neuen Zugang, nicht nur in die vielfältige Welt der paradiesischen Bar-Mixtur-Kreationen, sondern auch der Musikkultur und Lebensfreude der karibischen Tropen. Insbesonders ist es Mario Castillo – der sich immer als waschechter Dominicano ausgewiesen hat – gelungen, in Österreich den schlechten Ruf des Rums zu neutralisieren und die Anerkennung des echten aus Zuckerrohr gewonnen Rums, als edle und bestimmende Ingredienz der feinen Cocktaillerie durchzusetzen. Dem Erbe Mario Castillos, als Förderer einer integrativen interkulturellen Kommunikation und der Vermittlung kultureller Traditionen aus der Karibik, fühlt sich Floridita-Viena verpflichtet. (Aus Floridita.at Online Bericht) |
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